Interview mit Lucky Looks

„Negative Bilder sind schöner als positive und erfordern mehr Details“

In Lucky Looks’ Songs steckt viel düstere Poesie. Vom Battlerap hat er sich mittlerweile verabschiedet und fokussiert sich auf die Atmosphäre, die fast durchgehend melancholisch ist. Auf seinem aktuellsten Release, der zzZ-EP nimmt er den Hörer mit auf eine betrübte Reise. Sein Auditorium fühlt eine durchgehende Elegie, denn in seinen Songs steckt wahre Wehmut. Im Interview klärt Lucky Looks auf, woher diese Gefühle stammen. Wir trafen uns nach seinem Auftritt in Bietigheim-Bissingens 4D Jugendhaus. Dort gab er ein schönes Konzert und konnte mit seiner Crowd gut interagieren. Nach seinem Auftritt schrieb er noch Autogramme und machte Fotos mit seinen Fans, ehe es zum Interview kam, in dem er viel über sich selbst, Internetfreundschaften und über seine Freundin erzählt. Denn vor drei einhalb Jahren erschien das erste Video von Lucky Looks, in dem nicht er sondern seine Freundin die Hauptrolle spielte. Noch heute ist das ein Alleinstellungsmerkmal von ihm. Statt Low-Budget Clips zu drehen, in denen er selber an irgendwelchen Orten vor der Kamera post, gibt es echte Urlaubsvideos - von seiner Freundin und ihm.

Wie war es für dich, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?

Es war geil, obwohl ich leider etwas unvorbereitet war. Wir haben erst gestern alles für den Auftritt zusammengestellt, aber es hat trotzdem gepasst. 

 

Es scheint, als ob du die Lust am Rappen wiedergewonnen hast. 

Vor ein paar Tagen hast du auf Soundcloud neue Songs veröffentlicht und heute dein Auftritt.

Ja, Buskapè war vor ein paar Tagen bei mir und wir haben fast eine EP fertig produziert. Er hat mich hier in Bietigheim vier Tage lang besucht. Wir haben viel gechillt, vielleicht nur einen halben Tag davon Musik gemacht. Buskapè und ich verstehen uns zu gut als dass wir uns hinsetzten und effektiv Musik machen können. Doch wir haben es trotzdem geschafft etwas fertig zu machen. Die EP ist für den Spätsommer/Herbst gedacht.

 

 

Du hast vor Jahren in einem Interview gesagt, dass du das Wenigste von dem, was du schreibst, aufnimmst. Ist das heute noch immer so?

Ja, das ist bis heute noch so. Das Problem ist, dass ich zu wenige Beats bekomme. Ich schreibe sehr viel, habe aber keine Beats, um das aufzunehmen - zumindest keine passenden. Wenn ich aber einen guten Beat bekomme, setzte ich meine Textfragmente zu einem Song zusammen. Hin und wieder kommt auch eine richtige Beatbombe zu mir. Das war bei Freigepäck aus der zzZ-EP so. Delapi, der auch mein DJ heute Abend war, hat diesen Beat produziert. Ich habe für den Song alles an einem Stück aufgenommen und geschrieben. So war es auch bei dem Titeltrack der EP zzZ. Ich habe eineinhalb Stunden an dem Text geschrieben und musste den Song sofort aufnehmen. Das war so geil, ich hatte Gänsehaut beim Aufnehmen.

 

Sind melancholische Songs wie zzZ auch auf der neuen EP?

Ja, klar. Dazu muss ich sagen, dass ich schon eine EP fertig hatte. Als ich sie mir dann selber angehört habe, dachte ich, dass diese EP die Leute depressiv machen wird. Das kann man sich nicht am Stück anhören. Die neue EP, die keine richtige EP ist, da wir schon 13 Songs fertig haben, wird etwas lockerer. Aber immer noch düster, nur nicht so krass.

 

Da zeigst du dich ab und zu happy?

Nein, nicht happy. Nur merkt man ab und zu, dass ich keine Selbstmordgedanken habe. Das macht bei meinen Tracks oftmals den Anschein. 

 

Woher kommt der Input für deine Melancholie?

Bus- und Zugfahren. Das fickt mein Leben. Ich finde das richtig langweilig. Dabei höre ich keine Musik oder etwas, das mich unterhält und ablenkt.

 

 

Ghostwriter sein oder lieber einen haben?

Ghostwriter sein! Mein größtes Problem ist, dass ich nicht singen kann. Wenn ich es könnte, würde ich unglaubliche Hits schreiben. Aber meine Stimme ist dafür nicht gemacht. Nach einer Minute singen, klinge ich wie im Stimmbruch.  Wenn ich einen kleinen Gesang aufnehme, muss ich öfters Pausen machen, in denen ich dann einen Dubi rauche und eine Capri-Sonne trinke. 

 

Du sagst selber, dass du kein Fan von Internetfreundschaften bist. Glaubst du, dass es auf dieser Welt Menschen gibt, die das wirklich mögen?

Ja, Leuten denen es schwerfällt im echten Leben Freundschaften zu schließen. Ich pflege auch Freundschaften über das Internet. Zum Beispiel Delapi: Ihn habe ich über das Internet kennen gelernt. Wenn ich aber meiner Freundin sage, dass mich ein Kerl besucht, den ich über das Internet kennengelernt habe, fragt sie sich immer, ob ich etwas schwul bin. Eigentlich ist es doch behindert, sich mit einem Kerl zu treffen. Männerfreundschaften, die nicht darauf basieren, dass man sich schon etwas länger kennt, haben für mich etwas schwules. Man muss sich sympathisch sein, was im entferntesten Sinne etwas mit verliebt sein zu tun hat.  

 

Du hast auf dem Song Superstar gerappt: „Als ich Mama gesagt hab’, ich hab’ jetzt einen Deal, hat sie mich nur gefragt, wie viel ich jetzt verdien’. Nicht viel, ich mach’s aus Liebe zur Musik. Und sie hat nur gesagt, dann hätt’ ich niemals unterschrieben“. Hat dieses Gespräch wirklich stattgefunden?

Ja, ich traf mich mit einem Manager in Köln. Er hat auch schon größere Leute betreut.

 

Du kanntest den Kerl auch aus dem Internet?

Ja [alle lachen während Lucky die Geschichte bunt ausschmückt]. Aber ernsthaft. Er gab mir einen Vertrag mit und so ergab sich dieses Gespräch mit meiner Mutter. 

 

 

Du gibst auf den ersten Blick viele Informationen von deiner Freundin preis, da sie gerne die Hauptrolle deiner Musikvideos spielt. War es ihr schon während dem Dreh klar, dass du das für deine Musikvideos nutzen wirst?

Oftmals sind das Urlaubsvideos, weil ich aber immer das Gleiche bei den Aufnahmen mache, kann sie es mittlerweile erahnen, wofür ich es benutze. Aber ich sage es ihr nie, dass es für einen Track ist. 

 

Wie war ihre Reaktion bei dem ersten Video?

Da war es noch süß. Es ist doch auch so etwas wie eine Ehre. Es läuft bei uns optimal und sie ist meine Muse. Allein der Gedanke, dass es schlecht laufen könnte, sorgt dafür, dass ich solche melancholische Tracks schreibe. 

 

Du stellst dir vor dem Schreiben vor, dass dich deine Freundin verlassen würde?

Nein, aber manchmal erreiche ich dadurch eine melancholische Stimmung. 

 

Warum schreibst du keine Tracks aus der Stimmung heraus, dass es bei euch gut läuft?

Zu anspruchslos. Das ist zu einfach für mich. Ich habe keine Motivation zu schreiben, was jeder könnte. Negative Bilder sind schöner als positive und erfordern mehr Details. 

 

Die letzten Worte gehören dir:

Checkt meine Produzenten Buskapé, Delapi, Minhtendo und Menace. Checkt Caz und das nächste große Ding wird die Cosmo Gang sein!

 

Interview geführt von

Walter Schilling

 

 

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