Interview mit Mauli

„Ich pöbel überhaupt nicht!“

Autor: Walter Schilling

 

Aus DirtyMaulwurf, der 2012 noch beim VBT teilnahm, ist Mauli geworden. Seine Veränderung bezieht sich jedoch auf mehr als bloß seinen Namen. Nach den anfänglichen Rapsongs veröffentlichte er eine EP, in der sein Talent aufblitzte. Sowohl auf dem neuen Marvin Game Mixtape Freust du dich schon? - das neue Parts von Mauli enthielt - als auch bei seinem Auftritt bei Rough Rockz konnte man sich ein Bild vom neuen Mauli machen, da er dort Songs aus seinem demnächst erscheinenden Album performte. Mauli hat sowohl eine starke Präsenz am Mikrofon als auch eine Soundvision. Er traut sich anzuecken und macht sich nicht wahllos über andere Rapper lustig. Er weiß wovon er redet, gerade wenn es um das Thema Trap geht. Mit Rapsta und Marvin Game tourt er gerade durch Deutschland und wenn es so weiter geht, wird er schon bald sein Hobby zu seinem Beruf machen. Das Talent, den Swag und den nötigen Fleiß scheint er zu besitzen. Nach seinem Auftritt in Stuttgart sprach ich mit Mauli über sein neues Album und vieles mehr.

Wie ist die Resonanz deiner letzten EP „Trap braucht kein Abitur“?

Es hat sehr viel Anklang in der Szene gefunden. Ich habe mitbekommen, dass Leute verstehen, warum es so klingt und was ich mir dabei denke. Jetzt mal schauen. Das war nur der Vorschritt, von dem was jetzt kommt. Das was jetzt rauskommen wird, ist eine ganz interessante Nummer. Davor habe ich Musik mit einer Gucken-was-jetzt-geht-Einstellungen gemacht. Jetzt ist mir aber klar, dass ich Musik noch länger machen will und habe mich viel mehr darauf fokussiert. Ich war jeden Tag im Studio und es war eine ganz andere Art von Entstehungsprozess als bei der EP. Mal schauen, wie es ankommt.

 

Du hast also ein fertiges Album?

Ja, sicher. Komplett fertig.

Weiß man schon, wann es herauskommt? 

Ja und ich weiß auch schon den genauen Tag, aber ob ich das verraten werde? [Lacht] Ist alles noch top secret. 

 

In einem Interview hast du gesagt, dass du angefangen hast mit K.I.Z. Rap zu hören.

Ok, das ist eine bisschen übertriebene Lüge. Ich wollte denen in dem Interview bestimmt Props geben, weil ich dachte: Oh, dann lesen sie das und dann schreiben sie mir bei Twitter „thx“. 

Nein, da habe ich erst angefangen mir Rap richtig reinzuziehen und mich über Künstler zu informieren. Ich habe davor das gehört, was zu mir durchgedrungen ist oder was Freunde gezeigt haben.

Auf dem Album Ganz oben von K.I.Z. sind sie auch ein bisschen auf den Trapzug aufgesprungen.

Finde ich nicht. Es hat nichts mit K.I.Z. zu tun, aber ich mag diese Interpretation nicht. Ich kann es nicht leiden, dass das Wort „Trap“ vergewaltigt wird. Ich weiß, was du meinst. Die Drums und der Beat sind ähnlich, aber diesen 808-Sound fahren sie doch schon länger. Die Drums von Geld Essen könntest du heute auch nehmen und M.I.A. würde darauf rappen. 

„Die Drums von Geld Essen könntest du heute auch nehmen und M.I.A. würde darauf rappen.“

Das Splashmag hat dich zum Young Traplord gekürt. 

Das ist Quatsch. Die wissen, wovon sie reden, schreiben und wo Trap herkommt. Die denken bestimmt nicht: „Der hat 808-Drums. Er ist bestimmt das Crack in der Hood am Kochen“ Aber weil Trap immer in dem Zusammenhang genannt wird, interpretieren die Fans vieles hinein. Kennst du das, wenn du zu schüchtern bist zu fragen? „Was ist denn jetzt Sex?“ So ist das bei Trap. Die Fragen sich dann: „Ist das das, was der macht? Schnelle Hi-Hats? Das ist bestimmt Trap“. Da machen sie sich ihr Bild davon, aber es ist doch dumm damit einfach rumzuwerfen. Es hat relativ wenig mit Musik zu tun. 

 

Du trittst mittlerweile ohne Maske auf. Hat sich seitdem etwas für dich verändert? 

Kann sein, ist mir relativ egal. Aber wie sieht es denn aus, wenn ich mit Maske bei einem Konzert auftrete? Du hast doch meinen Auftritt gesehen. Ich springe rum, dann verrutscht die Maske und am Ende tut meine Nase weh. Ist doch behindert. Viel Spaß an alle die mit Maske auftreten. Das ist ein richtig sinnloser Move. Dann tretet doch nicht auf oder nehmt eine Leinwand wie Sierra Kid. 

Du hast den Song Stress ohne Grund mit Tighty veröffentlicht. 

Über diesen Song zu reden, ist ganz wichtig. Er entstand, als wir uns zum FIFA Spielen getroffen haben und dann spontan einen Song gemacht haben. Den haben wir aus Fun an einem Mittwochnachmittag rausgehauen. So eine Priorität hatte der Song. 

 

Du pöbelst grundsätzlich ganz gerne.

Ich pöbel überhaupt nicht! Ich glaube, es gibt einen Unterschied, ob man Ansagen macht oder ich einfach nur sage: „Leute, ihr müsst wissen, was der macht, ist überhaupt nicht cool“. Letzteres ist meine Intention dahinter. 

 

Willst du aufklären?

Das klingt lustig, aber ich sage nur die Wahrheit. Ich meine es Ernst, wenn ich sage, dass das, was sie machen, nicht cool ist. Die können damit sehr, sehr gerne aufhören. Davon hätten wir alle mehr. Deswegen finde ich es nicht richtig, das Pöbeln zu nennen. Man muss doch auch Knowledge droppen. Ich bin mit Knowledge gesegnet, deswegen finde ich es wichtig, es ein paar Leuten zu erzählen, was cool ist und was nicht.

Es gibt nicht mehr viele, die Flagge zeigen.

Die rappen auch aus einer anderen Intention. Die machen nicht erst Rap, wenn sie cool genug dafür sind. Die haben angefangen zu rappen, dann aber herausgefunden, dass sie nicht cool sind. Jetzt wollen sie cooler werden und haben gesehen, dass es mit dem cooler werden nichts wird. Für sie ist es in Ordnung, nicht der Superstar zu sein, und machen mit ihrer Fanbase weiter. Aber normal, dass du eine Fanbase hast, wenn du 3.000 Leuten immer wieder erzählst: „Wir sind eine Family“. Damit beschäftige ich mich und darüber mache ich Musik. Das hat nichts mit Pöbeln zu tun!

Es ist ja nicht so, dass ich irgendjemandem eine Ansage mache. Warum sollte ich einem Fremden eine Ansage machen, nur weil er schlechte Musik macht? Er ist ja kein schlechter Mensch. Aber man kann sagen: „Bitte lass das! Das ist nicht gut, Alter.“ Man kann über alles reden. Die können aufhören, schlechte Musik rauszubringen. Dann höre ich auch auf, darüber zu rappen und überlege mir etwas anderes. Ich kann auch über andere schöne Sachen rappen. 

Deine Musik funktioniert mehr über einen Lifestyle, den du ausdrückst. 

Cool, denn das heißt, dass ich das, worauf ich früher nicht geachtet habe, schon damals geschafft habe. Früher habe ich mir keine Zeit für die Musik genommen. Das war einfach nur aus Fun, wie man früher in das Schwimmbad eingebrochen ist. Es hat mir einfach nur Spaß gemacht. Vielleicht fanden es manche nicht gut, aber ich fand es gut und habe weitergemacht. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto besser wird man.

 

Deine EP hat schon Anhaltspunkte, dass es geil …

[Beendet den Satz] … werden kann, wolltest du sagen? Ist schon ok und auch richtig. Die EP war kein Kunstwerk. Es ging zum ersten Mal weg von diesem „Lass mal einen Track machen“ zu „Lass uns was rausbringen“. Marvin [anmerk. d. Red.: Marvin Game] hat mich ins Studio genommen und ich bin dort für immer geblieben. Anfangs noch nicht so oft und später dann jeden Tag. 

Hat dein Album wieder komplett Dieser Morten produziert?

Er heißt nur noch Morten, name is changed und Game changed. Es gab einen Beat, den er ganz am Anfang gemacht hat. Ich habe ihn fertig bekommen, was manchmal auch ganz gut ist. Alle anderen Beats haben wir dann zusammen gemacht oder er hatte eine Skizze, an der ich weitergemacht habe oder andersrum. Am Ende sind wir ganz akribisch über alle Songs gegangen und haben verschiedene Variationen eingebaut. Wir selber haben die Songs im Studio jeden Tag gehört, irgendwann nimmst du es mit diesem Wiederholungseffekt wahr und es fängt an zu nerven. Dann haben wir mal ne Hook verändert oder etwas neu arrangiert. Am Ende haben wir noch Drum-Loops für uns entdeckt. Das war eine große Bereicherung für den Spaß den wir machen. 


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