Lance Butters - Bloaw

Note: 3

 

Lance Butters hat sich viel Zeit für sein Debütalbum gelassen. 2012 und 2013 veröffentlichte er jeweils eine neue EP, doch daraufhin wurde es fast zwei Jahre still um ihn. Den Grund dafür gibt er von selbst in Interviews preis: Er chillt und kifft lieber, was man deutlich auf seinem Album raushören kann. Zum einen ist Weed ein großes Thema auf dem Langspieler Bloaw, zum anderen hat er sich technisch nicht großartig weiterentwickelt. Benett On, sowohl Produzent der EP’s als auch des neuen Albums, bleibt seinem Stil treu, frei nach dem Motto: Never change a winning Team. Sie setzten auf das, was sie schon in der Vergangenheit gut gemacht haben. Dadurch sind die Songs auf Bloaw zwar keine echte Offenbarung, doch sie enttäuschen auch nicht! Die deutlichste Verbesserung zu den EP’s ist, dass man Lance Butters Stimme deutlich besser raushören kann und sie viel klarer ist. Da hat sich das Aufnehmen im neuen Studio definitiv gelohnt.

 

  

Vor allem wirkt Lance Butters authentisch. Wenn er uns erzählt, dass er 3.000€ Strafe für ein Gramm Marihuana bekommen hat, dann weiß man schon, dass er aus Süddeutschland kommt - wäre ihm in Berlin nie passiert. 

Selbst seine Arroganz und das Desinteresse gegenüber Deutschrap ist echt. „Nein, du führst nicht gleich ein Modelabel, nur weil auf dei'm Merch deine Slogans stehen. Und nur weil du bei deinen Clips jetzt eigens Regie führst, bist du noch lange nicht scheiß Steven Spielberg“. Was seine Arroganz angeht hält Lance Butters locker bei den größten im Rap mit (zum Beispiel Big L oder dem jungen Samy Deluxe). Lediglich seine Fähigkeit zu reimen ist noch ausbaufähig. Das zeigt sich unter anderem in dem Song Puff Puff Pass, wenn er honey auf honey reimt, um es dann noch mal auf honey reimen zu können. Wenig später verzichtet er komplett auf Reime: „Doch auf mich wartet's Geschäft. Da zerfick' ich zwar auch Bitches. Nur mit weniger Interesse. Eigentlich nur nebensächlich“. Die schlechte Reimtechnik sorgt für eine kurze Halbwertszeit. Zwar zündet das Album bereits beim ersten Hören, jedoch hat man bei diesem ersten Mal auch schon das meiste aus dem Album auschecken können. 

 

Doch das Beste, was das Album zu bieten hat, ist die Kritik an der deutschen Rapszene. Schon vor dem Release sorgte er mit einem ironischen Video für Aufsehen und führte indirekt manche Rapper vor. Genau das setzt er auf seinem Album fort: „Ey, sollt' der Schwerpunkt im Geschäft, weiter nicht darauf liegen, wie man rappt. Baller' ich mir den Head weg wie MDRs Ex-Chef […] recorde cool Stories von Party und First World Problems und nennst sie Neuerfindung des Rades? Hoffe, die werden allesamt floppen“. Auf dem Song Deal with it kritisiert er alte, uninteressante Rapper, die plötzlich ihr eigenes Label eröffnen, wie Baba Saad es tat: „Ja, ich bin beim Major gesigned. Du bei Typen, deren Zeit längst vorbei ist“. Lance Butters Bestreben liegt aber darin, die Szene zu dissen, ohne dabei Namen zu nennen. Im Gegensatz zu anderen disst Lance Butters nicht sinnlos bekannte Rapper, um dadurch Aufmerksamkeit vor einem Releasestart zu erhalten. Er thematisiert einfach die Probleme, die ihn stören: „Und deine Team Member sind nur Freelancer, die nicht mehr hinter dir stehen, wenn der Profit weg ist. Red’ deshalb nicht von 'ner Gang, wenn du Dienstleister meinst, die am Schreibtisch häng’“.

Er rappt über die Problematiken im deutschen Rap, wie sie nur ein Szenekenner thematisieren kann. 

 

Von Walter Schilling

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