Three 6 Mafia - Mystic Stylez

Albumkritik / Review

Autor: Walter Schilling

 

 

Zwei Jahre vor diesem Album erschien bereits Wu-Tangs Enter The Wu-Tang (36 Chambers). Zum Leidwesen von Tripple Six Mafia. Denn das, was man hier zulande auf den Schulhöfen aus den Staaten hörte, waren dann eher die Jungs aus New York. Den Klassiker aus Memphis bekamen einige schlicht und ergreifend einfach nicht mit. Doch ist dieser Langspieler genau für denjenigen, der auf harten Gangsterrap steht. Hart, aber auch ehrlich. 1995 gab es in unserem Lieblingsgenre noch den keep it real Gedanken. In Sweet Robbery Pt. 2 wird sich unter anderem damit auseinander gesetzt, dass die meisten Jungs aus der Hood nur den Part des Fluchtfahrers bei einem Banküberfall übernehmen wollen. Durch solche kleinen Details bekommt man das Gefühl, diese Gruppe besteht aus Gangstern, die wissen wovon sie reden. Und wenn wir schon bei Gruppe sind, diese besteht in Mystic Stylez noch aus sechs Mitgliedern (im Laufe der Bandgeschichte schrumpft die Mitgliederzahl stetig). DJ Paul und Juicy J als Rapper, die zusätzlich auch als Produzenten fungierten. Daneben noch die Rapper Lord Infamous (gerne auch mal als Mr. Scarecrow unterwegs), Crunchy Black, Koopsta Knicca und Gangsta Boo. Insbesondere Lord Infamous spielt mit satanistischen und gewaltverherrlichenden Stielmitteln und arbeitet äußerst gerne mit der 666, als die satanische Zahl. „We should begin to come close to da killa dimentions/ N***** get lynchin' from the Triple 6 anti-christian.“  

Solosongs gibt es hier keine, braucht es auch nicht. Denn hier geht es um Gangsterrap mit einfachen und „eingängigen“ Hooks wie zB. „Psycho in da/ Cut with the mask and the pistol grip/ I gotta touch em“ auf dem Song Gotta Touch `Em Pt. 2. Der Bass pumpt bedrohlich und Lord Infamous steigt  mit einem double time Vers ein, während er darüber rappt, dass er jemanden in seiner Plasmapfütze liegen lässt. Kann durchaus vorkommen, wenn der Bursche eine Baretta in der Hand hält. Und wenn man den Männern der Band weiter zuhört, dann schleicht sich das Gefühl ein, dass sich ihre Heimatstadt Memphis in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand befindet. Noch heute ist Memphis eine der gefährlichsten Städte der USA. Die Kriminalitätsrate ist dreimal höher als die der US-Durchschnittsstädte. Klar, dass es auf diesem Album meist um dieses Thema geht. Vorstellbar, dass Kriminalität für sie etwas alltägliches ist. In fast jeder Zeile steckt Gewalt. Bi*** und N***** gehören hier noch zum guten Ton. Tear da Club up ist auch wieder ein Beispiel für eine eingängige Hook mit hartem Bass und einem Sample, das glatt aus einem Horrorfilm genommen sein könnte. Textlich geht es hier wie folgt zu: „Breakin bottles up against da f****** wall shooting tones at them fools […] Slicin' b****** right in half Stompin 'em straight through tha floor.

 

Und nach dem man Live by Yo Rep gehört hat, überlegt man sich vielleicht zweimal, ob man ihren Style wirklich einfach kopiert. Insbesondere wenn man an seinem Leben hängt. Man kann sagen was man will, aber Tripple Six Mafia sind einfach krasse Psychos. Der erste Refrain auf Mystic Stylez besteht aus genau drei Wörtern: Break da Law!

 

Während in Kalifornien Gangsterrap durch den G-Funk seinen eigenen Style fand, war es in Memphis ein gut gewählter harter Bass und psycho/horror Samples, die das Subgerne Horrorcore - nein den Rap - auf eine neue Stufe gebracht haben. Wenn man sich Trap vor Augen hält, ist dieser durch Produktionen von DJ Paul und Juicy J etwas inspiriert worden. Obwohl Mystic Stylez kein Trapalbum ist. Auch Rapper aus nachfolgenden Generationen, wie beispielsweise A$AP Rocky oder Frauenarzt haben sich von diesem Album inspirieren lassen. 

 

Der Titeltrack selber ist der reinste Horror. Wenn man sich die Produktionsmöglichkeiten von 1995 verdeutlicht, ist das ganze doppelt genial. Wer Rapgeschichtlich interessiert ist, oder auf Gangsterrap steht, der sollte hier unbedingt zugreifen!


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